Ok, es war ein Experiment. Und Experimente, vor allem die ersten ihrer Art, haben die Eigenart, nicht immer glatt zu laufen…

Die Deadline für den CfC zum FIfF-Workshop neue LebensWeltKrisen ist schon eine Weile verstrichen und ich habe seitdem mit verschiedenen Leuten gesprochen, insbesondere mit Werner Winzerling vom FIfF. Wir haben da nämlich ein Problem: Es gab nicht eine Einreichung – Zero Inbox.

Dass der Workshop nicht übermäßig überrannt werden wird, war uns ja schon klar, aber komplett ohne Einreichungen, das ist nun doch kein leichtes Fazit. Aber es ist eins und ich denke, es muss gezogen werden.

Warum?

Auch wenn die Taschentücher trocken geblieben sind haben wir uns natürlich gefragt, warum denn wirklich nicht eine Einrreichung zum Workshop eingetrudelt ist (wobei der Fall, dass nur so wenige Einreichungen eingegangen wären, wie es Zeitslots gibt und damit alle quasi-automatisch akzeptiert wären, sicher wesentlich unangenehmer gewesen wäre). Das kann verschiedene Gründe haben:

  1. Das Thema. Die Themen des Calls sind einerseits weit interdisziplinär gestreut, andererseits gibt es nur eine Hand voll Wissenschaftler, die sich damit auseinandersetzt. Die meisten Fundstellen unseres Literaturreviews hatten wir in englischsprachigen Journals mit meist amerikanischen oder asiatischen Autoren. In Deutschland gibt es einige „Urban Stories“ und das Interesse an Shitstorms, Cybermobbing etc. steigt allmählich, aber sehr populär ist es offenbar nicht. Was passiert, wenn man sich kritisch mit Medien auseinandersetzt, zeigt die #Spitzer-Diskussion (wobei sich hier Professor Spitzer an vielen Stellen zu leicht angreifbar gemacht hat, was das „Spitzer-Bashing“ gefüttert hatte – andererseits hätte eine sachliche Argumetation in einem Buch wohl kaum Aufmerksamkeit erregt, schon gar nicht in diesem Ausmaß). Durch diese ist aber auch das Eis, auf das man sich bewegt, wenn man die Social Media Welt kritisch hinterfragt, sehr dünn geworden, man will schließlich nicht in die selbe Ecke gestellt werden.
  2. Die Zielgruppe. Die starke Interdisziplinarität macht es natürlich schwer, die richtige Zielgruppe zu finden und anzusprechen. Wir haben eine Reihe von Forschern, Institutionen und Vereinen angeschrieben, für die der Call interessant sein könnte, aber sicher nicht alle erreicht. Und dann ist mal ja ein Call von Vielen von Nachwuchswissenschaftlern mit quasi keiner Reputation auf dem Gebiet. Sichtbarkeit Glückssache.
  3. Die Zeit. Calls im August gibt es recht viele und es ist auch nicht sonderlich attraktiv, die Urlaubszeit mit Paperschreiben zu verbringen (ist ja nicht jeder so bekloppt wie ich).
  4. Die Veranstaltung. Das FIfF scheint eine interessante Gesellschaft zu sein, die die Auswirkungen von Informationstechnologien auf die Gesellschaft schon sehr zeitig (1984) ins Auge gefasst hatte. Dennoch ist es eher ein kleiner Verein (Wikipedia spricht von etwa tausend Mitgliedern) und die Jahrestagung ist über dessen Mitglieder hinaus eher wenig bekannt (zumindest meiner Wahrnehmung nach). Auch wenn ich die Zusammensetzung als besonders spannend empfinde tun das andere vielleicht nicht und sparen sich ihre Einreichungen für eigene Fachcommunities oder publikationsrechnerisch interessantere Veranstaltungen (ohne das abwertend zu meinen, ich verstehe das durchaus). Aus den Kreisen der FIfF versicherte mir Herr Winzerling, dass die Community vor Ort sicher sehr interessiert sein wird, ein Aufruf im Vorfeld aber unüblich für die Veranstaltung sei.
  5. Das Format. Hierin sehe ich den größten Schwachpunkt und im Nachhinein sogar einen Fehler. Ich hätte traditionell aufrufen sollen und die akzeptierten Papers im Zweifel subjektiv bestimmen sollen, als offen diskutieren zu wollen. Vielleicht spielt man nicht mit Calls, sondern sollte schlichtweg den traditionellen Weg gehen. Ich beobachte auch bei anderen ähnlich offnen Calls zu Buchpublikationen diese Schwierigkeiten, Teilnehmer und/oder Autoren zu finden. Es ist eben doch etwas unsicher, ein neuer Weg, bei dem man nicht weiß, was passiert. Was ist denn, wenn die schnell hingetippte Einreichung öffentlich verrissen wird? Da sind traditionelle Calls mit double blind Reviews sicher einfacher zu handhaben. Und das gerade in diesem Kontext: Die Autoren schreiben über bedenkliche Aspekte von Social Media und sollen in einem Blog diskutiert werden? Irgendwie kommt mir das jetzt auch sehr schizophren vor. Das hätte ich lieber optional machen sollen.

Alles in allem gab es eine Reihe ungünstiger Faktoren, aber die gibt es bei anderen Veranstaltungen auch. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem, gepaart mit den jeweils persönlichen Kontextfaktoren potentieller Autoren. Es ist auch kein Vorwurf, sondern Verständnis (ich hätte ein eventuelles Paper auch lieber auf einer „größeren Bühne“ eingereicht).

Und nun?

So ganz traurig bin ich nicht darüber: keine Reviews, keine Auswahl, kein Layouten, kein Community-Management für die Autoren. Herr Winzerling hat mir mehrfach versichert, dass ich unter den FIfF-Mitgliedern vor Ort aber auf starkes Interesse stoßen werde und eher einen offenen Workshop anstreben sollte. Also wie eine Mini-Unkonferenz. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich genau thematisieren soll, aber ich denke, mir wird da etwas einfallen. Mit Veranstaltungen wie den EduCamps oder L3T’s Work habe ich diese offenen Workshop-Formen sehr schätzen gelernt.

Das Thema eines offenen Workshop-Calls nach Open-Science-Prinzipien ist für mich dann erst einmal abgeschlossen (und reicht höchstens fürs Junq). Klar würde mich interessieren, was denn „schief gelaufen“ ist und ob das Format wirklich dran schuld war, oder nicht doch eher das wenig erforschte Thema. Aber das werde ich wohl nie erfahren, denn eine Zielgruppe, die man nicht hat, kann man nur schlecht erreichen. Über Feedback auf beliebigen Kanälen bin ich aber wie immer dankbar.

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