„[…] Ich schrieb den Satz: ‚Wegen der charakteristischen Keramikfliesen wurde die Straße zu DDR-Zeiten im Volksmund auch ,Stalins Badezimmer‘ genannt.‘ Als ich darüber nachdachte, dass diesen Unsinn niemand für wahr halten würde, hatte ich um 21.13 Uhr mein Weinglas schon versehentlich auf die Enter-Taste gestellt. […] Ein Wikipedianer aus Wölfersheim in Hessen befand meine Version kurze Zeit später für richtig – und damit bekam der Volksmund einen neuen Begriff: ‚Stalins Badezimmer‘. […]

2009 stellte eine Frau eine Hauptseminararbeit ins Netz, die von der Utopie sozialistischer Architektur handelt. Die Arbeit verkauft sie auch als Buch für 5,99 Euro. Müßig zu erwähnen, welcher Begriff hier wissenschaftlich fundiert genannt ist. […]

Weil ich ein schlechtes Gewissen bekam, löschte ich am 17. März um 17.51 Uhr Stalins Badezimmer wieder aus Wikipedia. Um 20.13 Uhr machte ein ehrenamtlicher Wikipedianer, der nach eigener Darstellung auf Berliner Stadtteile und Stadtgeschichte spezialisiert ist, meine Änderung rückgängig. […]“ [1]

Die Möglichkeit, Informationen im Netz zu verbreiten bedeutet nicht, dass alle diese Informationen wahr sind. Gerüchte und falsche Nachrichten können schneller in Umlauf gebracht werden, als der dadurch entstandene Schaden wieder gutzumachen ist. Und wenn dann die Information schon in der Wikipedia manifestiert hat, gibt es offenbar kein zurück mehr.

Interessanter Nebengedanke: Wer kann denn garantieren, dass die Story von Herrn Kopietz stimmt…?

→ Einordnung: kulturelle Störung der Gesellschaft durch Exposition

  1. Kopietz, Andreas (24. 03. 2011): Wikipedia: Wie ich Stalins Badezimmer erschuf. In: Berliner Zeitung. Online: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/337069/337070.php [Stand: 17.06.2011]
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