Keiner liest die BILD-Zeitung – aber alle liken sie!

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Liken, faven, retweeten,+1′sen… das alles hat in der Regel zwei Gründe:

  1. Man will dem Autor zeigen, dass man seinen Beitrag gut findet und
  2. man will seiner Community zeigen, dass man etwas gut findet.

Das ganze hält gefühlt maximal 2-3 Tage, dann war das Social Web schneller und ein andere Trending Topic wird durch das Social Web weitergegeben. Die Autoren vom ZDF-Blog Hyperland dankenswerterweise mal “gezählt” (d.h. sie haben die APIs für sich arbeiten lassen), welche dieser besonders beachteten (deutschsprachigen) Geschichten im Netz 2011 denn am erfolgreichsten war. Über den Blog Gedankenstrich.com bin ich darauf aufmerksam geworden, vor allem aber durch folgende Darstellung:

Die BILD-Zeitung ist lauf Wikipedia (mit 3 Quellenangaben, das glauben wir mal ohne zu behaupten, wir hätten es von denen) “die auflagenstärkste Zeitung außerhalb Japans” und ihr Ruf ist gerade in Deutschland sehr umstritten. Nicht ohne Grund ist der Watchblog Bildblog, der hauptsächlich falsche oder falsch dargestellte Berichte in der BILD-Zeitung korrigiert, mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet worden. Die BILD ist Dauerthema auf deutschen Kabarettbühnen und Serdar Sumuncu hatte ein wunderbares Programm “Serdar Sumuncu liest BILD”, in dem er die aktuelle Ausgabe der BILD-Zeitung am gleichen Abend auseinandernahm. Die BILD-Zeitungsleser sind zu einem Klischee geworden, unter dem man Personen vereint, die in Trainingsanzügen im Supermarkt drei Bierflauschen und eine Schachtel Zigaretten kaufen, sich Scripted-Reality-Sendungen anschauen und am Stammtisch meinen, sie würden über Politik reden, wenn sie sich über das Aussehen von Angela Merkel lustig machen.

Aber was sagt uns nun diese Grafik? Mit weitem Abstand wurden Beiträge aus der BILD-Zeitung am meisten ge-liked/faved/+1ed oder wie man es auch nennen mag. Dabei ist es doch die Netzgemeinschaft, das Netz der Besserwisser, wie Sascha Lobo es in seiner Kampagne bezeichnet, die über Facebook, Twitter und Co. Minister stürzen, vielleicht Revolutionen hervorgerufen, mit Sicherheit aber unterstützt hat und ebenfalls vielleicht neuen Parteien eine Chance gibt. Diese Elite, die teilweise in ihre Schranken gewiesen werden muss, weil die verbreitete Kritik an traditionellen Medien in plumpe Beschimpfung abdriftet. Diese Elite wird überrannt von den BILD-Zeitungslesern…

Die Deutung dieser Statistik könnte verschieden ausfallen:

  • Die BILD-Zeitungsleser sind ebenso im Social-Web-Vertreter, werden nur (von mir?) nicht so stark wahrgenommen.
  • Die vermeintliche Web-Elite liked/faved/retweeted/+1′sed nicht so stark wie der gemeine BILD-Zeitungsleser

Ich denke fast, dass beide Punkte gleichermaßen zutreffen, vor allem aber, dass sich durch die personenbezogene Vernetzung Milieus im Netz bilden, die sich gegenseitig kaum wahrnehmen, da sie untereinander nicht oder nur kaum vernetzt sind. Eine ähnliche Untersuchung zu Wertewelten hatte Prof. Peter Kruse mal auf der Republica vorgestellt (Video hier), allerdings ging es hier um andere Forschungsfragen. So in etwa stelle ich mir eine solche Untersuchung aber vor. Vielleicht hat ja jemand hierzu schon was gelesen? Oder hat Interesse an der Bearbeitung einer solchen Frage? Wir freuen uns über Forschungskooperationen oder studentische Arbeiten!

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Mobbing im Internet: Share dich fort!

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“Jugendliche pöbeln auf der anonymen Lästerseite iShareGossip in bisher ungekanntem Ausmaß. [...]

[...] Doch bei iShareGossip fallen sämtliche Schamgrenzen. In Einträgen werden Jungen bloßgestellt, die angeblich in der Umkleidekabine onanieren. Mädchen lesen über sich, mit wie vielen Jungen sie angeblich schon Sex hatten und in welcher Variante sie ihn am liebsten praktizieren. [...] An zwei Gymnasien blieben die Klassenräume für einen Tag leer, nachdem jemand auf der Plattform Amoklaufdrohungen gepostet hatte. Am vergangenen Wochenende wurde ein 17-Jähriger von 20 Jugendlichen zusammengeschlagen, nachdem er die Online-Peiniger seiner Freundin zur Rede gestellt hatte.” [1]

Das gegenseitige Mobbing von Schülern ist nichts neues und nahm auch immer schon extreme Züge an. Neu ist aber die Reichweite, mit der Mobbing heute verbreitet werden kann. Nicht nur vor der ganzen Klasse oder Schule, sondern vor der ganzen (vernetzten) Welt gemobbt zu werden wirkt sich verständlicherweise nachhaltig auf junge Menschen aus, dürfte aber auch Erwachsenen, z.B. gemobbten Lehrern, schwer zusetzen. Und nicht nur das: “Können Sie denn mit Stress umgehen? Ich habe da von Ihren ehemaligen Mitschülern etwas gelesen…” könnte in zukünftigen Bewerbungsgesprächen ein spannendes, aber unangenehmes Thema sein.

→ Einordnung: Soziologische Störungen durch Exposition der Gesellschaft. Als Auswirkung davon sind auch Befürchtungen und Zwänge durch Exposition des Individuums denkbar.

  1. Trenkamp, Oliver (25.03.2011): Mobbing im Internet: Share dich fort! In: Schulspiegel, Spiegel Online. Online: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,753034,00.html [Stand: 17.06.2011]

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